Brauchtum & Tradition im Winter

Gerade wenn die Tage kurz und die Nächte lang sind, wenn es bitterkalt ist und die Menschen von im vergangenen Jahr mühsam erarbeiteten Vorräten leben, helfen Bräuche dabei, die Angst vor der Unerbittlichkeit des Winters zu dämpfen sowie die Hoffnung auf einen baldigen Frühling zu stärken. Die typischen Winterbräuche haben daher meist die Vertreibung des Winters sowie die Herbeirufung des Frühlings als Grundlage. Böse Geister sollen ausgetrieben und Glück sowie Segen sollen angezogen werden. Darüber hinaus wird auch gerne orakelt. Voraussagen für das kommende Jahr können meist nur an bestimmten Lostagen getroffen werden und sollen Auskunft über anstehende Hochzeiten, Geburten, Todesfälle sowie Ernteerfolge geben.

Als besonders wichtig gelten die Raunächte. In diesen scheinbar magischen Nächten geschehen allerlei sonderbare Dinge. Das Vieh im Stall kann plötzlich sprechen und der Mensch hat nicht nur die Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen, sondern kann durch das Ausführen bestimmter Rituale böse Geister vertreiben und Glück anziehen. Folgende Nächte zählen zu den Raunächten:
- 21.12. - 22.12.
- 24.12. - 25.12.
- 31.12. - 01.01.
- 05.01. - 06.01.

Perchten
Perchten sind vor allem im Alpenland anzutreffen und werden in gute Schönperchten sowie böse Schiechperchten eingeteilt. Die Herkunft der Perchten kann heute nicht mehr einwandfrei geklärt werden, reicht jedoch höchstwahrscheinlich bis in heidnische Zeiten zurück. Perchten treten in Gruppen - sogenannten Passen - auf. Während Krampusläufe gemäß Brauchtum bereits vor Weihnachten stattfinden, werden Perchtenläufe traditionell nur zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag veranstaltet.

Während Schönperchten meist in prächtige und bunte Kostüme gekleidet sind, fallen Schiechperchten sofort durch ihre für Außenstehende sicherlich Angst einflößendes Kostümierung auf. Nicht selten tragen sie zottelige Pelze und dazu kunstvoll geschnitzte Holzmasken - sogenannte Larven -, die mit ihren Hörnern teuflischen Fratzen gleichen. Die Bärigln genannten Pelzperchten findet man zum Beispiel in Altaussee.
Sowohl Schön- als auch Schiechperchten tragen Glocken, mit denen sie während ihrer Läufe läuten.

Perchten treten in den Raunächten auf. In diesen ist es ihre Aufgabe, die geltenden Vorschriften für diese Nächte zu überwachen. Schönperchten vertreiben die Schiechperchten und mit ihnen den Winter. Sie bringen Segen und Glück für das neue Jahr.

Glöcklerläufe
Die Glöcklerläufe sind typisch für die Region Salzkammergut. Seinen Ursprung hat dieser Brauch, der von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt wurde, in der Ortschaft Ebensee am Traunsee. Dort wurde er im Jahr 1850 erstmals schriftlich erwähnt. Glöcklerläufe werden im gesamten Salzkammergut praktiziert.

Bei den Glöcklern handelt es sich um Schönperchten. Diese sind gute Lichtgeister, die Helligkeit sowie Wärme bringen und gleichzeitig böse Geister vertreiben. Am Abend des 5. Januars, der letzten Winterraunacht, ziehen die Glöckler von außerhalb des Ortes in Richtung Zentrum und gehen dabei von Haus zu Haus. Dabei soll das Läuten der um die Taille getragenen Glocken den Winter ausläuten und den Frühling anziehen. Der besondere Rhythmus ihrer gleichförmigen Schritte soll wiederum das in der Erde schlafende Saatgut wecken und zum Wachsen animieren. Zudem liefern sie sich einen symbolischen Kampf mit den Pelzperchten, die den Winter symbolisieren.

Optisch fallen die Glöckler sofort mit ihren kunstvoll gearbeiteten Kostümen auf. Neben schlichten weißen Gewändern tragen sie aufwendig gestaltete Glöcklerkappen. Diese sind von innen beleuchtet und bieten somit ein wunderbares Bild in dunkler Winternacht. Die bis zu zwei Meter hohen, drei Meter langen und 15 Kilogramm schweren Papierkappen werden nach traditioneller Art in unterschiedlichen Ausführungen hergestellt. Unter ihnen findet man Sonnen, Halbmonde, Sterne, Kronen und Pyramiden, die aufwendig mit Bildern und Ornamenten gestaltet sind.

Glöckler sind meist in Gruppen von zwanzig bis dreißig Läufern unterwegs. So ziehen sie rhythmisch laufend und tanzend von Haus zu Haus, um auf diese Weise alles Böse zu vertreiben. Die von ihnen gelaufenen Schleifen stellen Symbole für die Unendlichkeit dar. Dazu wird traditionelles Liedgut zum Besten gegeben. Da die Läufe sehr anstrengend sind, werden die Glöckler von der Bevölkerung mit Stärkungen versorgt. Zu diesen zählen mit Schmalz und Wurst belegte Brote, Krapfen, Glühwein und -most, Schnäpse und Tee. Darüber hinaus begleitet ein Osaumla - ein Einsammler - die Glöckler bei ihren Läufen und bittet für diese um freiwillige Spenden.

Fasching
Der Fasching zählt zum ältesten Brauchtum überhaupt. Seine Ursprünge werden bis in die Keltenzeit zurückdatiert. Faschingsbräuche markieren traditionell das Ende der Winterbräuche. Wie bei anderen Bräuchen dieser Art sollen auch mit diesen die bösen Geister des Winters vertrieben und die guten Geister des Lichtes, die Fruchtbarkeit und eine reiche Ernte verheißen, anziehen. Dies geschieht je nach Ortschaft auf unterschiedliche Weise. Gerade das Salzkammergut ist reich an Faschingsbrauchtum, das bis heute mit viel Engagement gepflegt wird.

Ebenseer Fetzenumzug
Dieser legendäre Faschingsumzug ist weit über die Ortsgrenzen von Ebensee hinaus bekannt und wurde von der UNESCO im Jahr 2011 zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt.
Traditionellerweise findet dieser Umzug jedes Jahr am Faschingsmontag statt. Die Fetzen genannten Faschingsnarren ziehen ab 15 Uhr in Richtung des Ortszentrums von Ebensee und feiern dann bis in die Morgenstunden ausgelassen in den Gasthäusern des Ortes.
Typisch für die Teilnehmer des Fetzenzuges sind ihre Kleidung sowie ihre kunstvoll aus Holz geschnitzten Masken.

Ausseer Trommelweiber
Die Ausseer Trommelweiber sind sowohl am Faschinsgmontag als auch am Faschingsdienstag im Ausseerland unterwegs. Entgegen ihrem Namen handelt es sich hierbei jedoch nicht um Frauen, sondern um Männer. Diese tragen traditionelle Frauennachtgewänder und ziehen so durch die Ortschaften. Dabei erzeugen sie mit ihren Trommeln und Trompeten ohrenbetäubenden Lärm, um auf diese Weise den Winter zu vertreiben.

Am Faschingmontag begleitet die Melodie des Ausseer Faschingsmarsches die Trommelweiber bei ihrem Umzug. Diese ist kennzeichnend für die 5. Jahreszeit im Ausseerland und daher ständig zu hören.

Ausseer Flinserl
Bei den Ausseer Flinserln handelt es sich um eigenwillige Gestalten, die den Frühling symbolisieren. Diese ziehen alljährlich unter den Augen zahlloser Zuschauer am Faschingsdienstag ab 14 Uhr vom Gasthaus Blaue Traube zum Kurhausplatz. Hierbei werden sie von den sogenannten Zacherln beschützt. Am Ende des Zuges löst sich dieser auf und die Flinserl werden von den Kindern des Ortes umringt. Dann sagen die Kinder noch die deftigen Flinserlsprüche auf und werden dafür mit Naschereien beschenkt. Und auch hier achten die Zacherl darauf, dass niemand den Kindern ihre Süßigkeiten wieder wegnimmt.

Wie bei vielen anderen ähnlichen Umzügen stechen auch hier zu allererst vor allem die prächtigen und einzigartigen Gewänder der Teilnehmer ins Auge. So tragen die Flinserl reich geschmückte und bestickte Kleider aus Naturleinen. Neben Ornamenten und Rauten findet man auf diesen auch figurale Darstellungen wie den berühmten Mohrenkopf. Diese stammt ursprünglich aus Venedig und kam der Überlieferung nach durch den Handel mit Salz nach Bad Aussee. Ihren Namen haben die Gewänder von den Flinserl genannten Pailletten, mit denen sie im Übermaß bestickt sind. Insgesamt gibt es rund 100 Stück dieser prunkvollen Gewänder, deren Herstellung jeweils rund 500 Arbeitsstunden in Anspruch nimmt.

Pless
Die Pless genannten Figuren symbolisieren den Winter und liefern sich alljährlich mit den Kindern der Ausseer Ortschaften eine Schlacht. Dabei ziehen sie in wattierte weiße Gewänder gehüllt durch die Orte und werden dabei von meist männlichen Jugendlichen gejagt und mit Schneebällen beworfen. Über den Kopf haben die Pless einen Bienenkorb gestülpt und in der Hand tragen sie einen Stock, an dessen Ende sich ein Schmutzlappen befindet. Mit diesem versuchen sie sich ihrerseits gegen die Schneeball werfenden Kinder zu wehren. Am Ende des Umzugs gewinnen aber natürlich diese und der Winter wurde besiegt.

Sierninger Rudenkirtag
Dieser Kirtag findet seit dem 18. Jahrhundert traditionellerweise am Faschingsdienstag statt und wurde mittlerweile zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Neben dem eigentlichen Kirtag mit Ständen ist das Rudensingen eine Attraktion für sich. Bei diesem werden von verschiedenen, aus ganz Oberösterreich angereisten Gruppen im Rahmen eines musikalischen Wettstreits Lieder und Tänze aufgeführt. In diesen wird, nicht selten humorvoll-deftig, das aktuelle politische Geschehen kommentiert und die Obrigkeit kritisiert.

Aschermittwoch
Der Aschermittwoch ist nicht nur der erste Tag der Fastenzeit, sondern neben dem Karfreitag auch der strengste Fasttag des katholischen Kirchenjahres. Während der Aschermittwoch traditionell mit dem Kirchgang und dem Auflegen des Aschekreuzes begangen wird, ist er in Ebensee noch ganz dem Fasching gewidmet. Dort wird an diesem Tag nämlich der Fasching symbolisch zu Grabe getragen und in Form einer übermannhohen, mit Fetzen bekleideten Figur verbrannt. Dieser Figur folgt ein Trauerzug, der im Anschluss an das Verbrennen seine durch das Faschingstreiben mittlerweile leeren Geldbörsen am Ufer der Traun wäscht. Im Anschluss daran gibt es einen Heringsschmaus.

Fastenspeisen
In der Fastenzeit werden traditionell Fastenspeisen zubereitet und gegessen. Im Traunviertel erfreuen sich in dieser Zeit die sogenannten Beugerl besonders großer Beliebtheit. Hierbei handelt es sich um ein Germgebäck, das zuerst in Salzwasser gekocht und dann gebacken wird. Wie es der Brauch will, werden die ringförmigen Beugerl vor dem Verzehr beim sogenannten Beugerlreißen geteilt. Dies geht darauf zurück, dass sich in früheren Zeiten mehrere Leute ein Beugerl teilen mussten.

Liebstattsonntag
Am vierten Fastensonntag findet der Liebstattsonntag statt. Dieser begründete sich im 17. Jahrhundert in Gmunden und breitete sich von dort aus im ganzen Salzkammergut aus.
In früheren Zeiten luden die wohlhabenden Mitglieder der Corpus Christi Bruderschaft ärmere Mitbürger am Liebstattsonntag zum selbst aufgetragenen Mahl. Heute trifft man sich an diesem Sonntag nach dem Kirchgang am Rathausplatz und schenkt sich gegenseitig Lebkuchenherzerl, die mit netten bis zweideutigen Sprüchen verziert sind. Besonders engagiert sind hierbei die Trachtenvereine, die in Gmunden nach wie vor nicht nur Lebkuchenherzerl, sondern - ganz im ursprünglichen Sinn der Veranstaltung - auch Brotsuppe verschenken.

 

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